Reformen und Massenarbeitslosigkeit in Deutschland
Zusammenhang zwischen Wachstum und Beschäftigung
So verständlich alle Diskussionen über soziale Reformen von der Gesundheit, Rente, Bildung, Mindestlohn bis zum bedingungslosen Grundeinkommen etc.sind: in Deutschland ist in den letzten Jahren ein Diskussions- und Umsetzungschaos bei Reformen aller Art entstanden. Ob Gesundheits- Renten- oder Hartz4-Reform, man kann sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass diese dem Standort Deutschland eher schaden als nützen. Was hierbei fehlt, ist die gesamtheitliche Sicht unserer Probleme, deren Abhängigkeiten untereinander und die anschließend darauf ausgerichteten Prioritäten bei der Problembewältigung, nur so kann eine gewisse Linie und Geradlinigkeit in der Zielsetzung und -verfolgung entstehen. Die Wichtigkeit der Prioritätensetzung aus einer Gesamtsicht kann nicht hoch genug bewertet werden. Nur wenn in der richtigen Reihenfolge Lösungswege zumindest erkannt und umgesetzt werden, kann man erreichen, daß nachrangige Einzellösungen zumindest ansatzweise integriert sind und aus ihnen mehr Nutzen als Schaden entsteht. Besonders schädlich sind oft die nicht gnügend durchdachten ad hoc - Handlungen zur Krisenbeseitigung, wie sie auch gegenwärtig Anwendung finden.
Die wichtigste Staatsaufgabe ist es zweifellos, ein ausgewogenes und nachhaltiges Wohlstandsniveau seiner Bürger zu erreichen. Dazu gehört an erster Stelle die Sicherung des Friedens. Wenn der gesichert ist, kommt an zweiter Stelle sicherlich der wirtschaftliche Wohlstand, mit der eine Mehrheit der Staatsbürger und damit langfristig ein Volk überhaupt leben kann. Hier kommt dem Staat ausdrücklich auch eine Wohlstandsverteilungsfunktion, die abgesehen von der für eine Volkswirtschaft notwendigen wirtschaftlichen Nachfragefunktion insbesondere auch zur Förderung und Bildung von Talenten unabhängig von der Herkunft geeignet sein soll ( =Chancengleichheit der Generationen), auch hier gilt der Satz von Warren Buffet: "Die Ressourcen einer Gesellschaft sollten nicht in Form aristokratischer Dynastien von Wohlhabenen weitergegeben werden."
Um dieses nachhaltige und ausgewogene Wohlstandsniveau aus wirtschaftlicher Sicht in Deutschland geht es mir hier bei diesem Thema, denn dieses ist derzeit gefährdet, sowohl absolut, als auch relativ zu unseren Nachbarländern und Konkurrenten. Wodurch nun wird Wohlstand erreicht? Zweifellos durch Markterfolge durch technischen, auch organisatorischen Fortschritt, also gute Produkte oder Leistungen, die die Staatsbürger schaffen und deren Nutzen und Gebrauch für möglichst viele Menschen vorteilhaft sind. Diese Markterfolge sind immer Ergebnisse menschlicher Arbeit, sie können also nur durch menschliche Arbeit entstehen, ihrer Vielfältigkeit sind dabei keine Grenzen gesetzt. Egal, ob abhängige oder selbständige Arbeit, nur durch sie können gute Arbeitsergebnisse und damit nachhaltiger Wohlstand, auch auf Staatsniveau, erreicht werden. .Gleichzeitig wird über diese Arbeit aber auch der Wohlstand direkt auf die Bürger verteilt. Deshalb ist es wichtig für den Staat, seine Anreizsysteme auf die Humanarbeit zu setzen und diese mit oberster Priorität so auszugestalten, dass alle Staatsbürger motiviert wohlstandsfördernde Arbeit verrichten können. Erst erfolgsreiche Arbeitsergebnisse bringen Ertrag und schaffen "Mehrwert" von denen auch der Staat profitieren kann. Bei dem Zusammenhang von Arbeit und Wachstum wird immer wieder von Politikern behauptet: Wachstum schafft Arbeit. Ursächlich betrachet ist diese Behauptung falsch und ökonomisch betrachet, ist das Gegenteil richtig und darauf sollten sich unsere Politiker besinnen:
Nicht Wachstum schafft ursächlich Arbeit sondern (vernünftige !) Arbeit schafft Wachstum!!!
Unser dringendstes Problem in Deutschland ist damit hoffentlich erkannt und unumstritten: Es ist ein fehlendes Angebot attraktiver Arbeitsplätze und die dadurch verursachte Massenarbeitslosigkeit verbunden mit (relativem!) sozialem Elend und hohen wirtschaftlichen Folgekosten. Hiergegen helfen allein weder Mindestlohn noch Grundeinkommen, obwohl es die derzeit am meisten diskutierten Konzepte sind. Das Problem der Massenarbeitslosigkeit hat auch noch viel mehr gesellschaftliche Folgeprobleme, als lediglich materielle Armut. Sinnstiftende, existenzsichernde Beschäftigung hat in hohem Maße anthroposophischen Wert, sie bedeutet Teilhabe und Wertschätzung in der Gesellschaft. Wo es an ihr mangelt, gibt es Ausgestoßene, hohe Kriminalitäts- und Krankheitsraten mit hohen gesellschaftlichen Folgekosten. Eigentlich ist es gerade die Marktwirtschaft, der es im Gegensatz zur zentralen Planwirtschaft gelingen sollte, durch ihre Anreize und Motivation solche Arbeitsfelder in ausreichender Anzahll immer wieder neu zu entdecken und anzubieten. Warum funktioniert das ausgerechnet für den so wichtigen Arbeitsmarkt in Deutschland nicht mehr?? Was können wir dagegen tun, dass speziell die deutsche Wirtschaft ausgerechnet die Humanarbeit als Hauptvermeidungsfaktor ansieht und diese stärker als in anderen Ländern "auf Teufel komm raus" rationalisiert, verlagert, outsourct oder in prekäre Zeitarbeit oder Scheinselbständigkeit umdirigiert??? Der Staat hält dagegen, er betreibt einen Riesenaufwand, um Menschen in Arbeit zu bringen, Arbeitsamt, Arbeitsagentur, Umschulung, Ausbildungsförderung oder er stellt die Menschen ruhig, durch Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand, denn er kann keine nutzbringenden Stellen schaffen. Das Gegeneinander-Arbeiten von Staat und Wirtschaft verschlingt ungeheure Ressourcen. Muss das so sein, sind also die Interessen von Staat und Wirtschaft unvereinbar gegensätzlich??
Eigentlich wurde dieser Gegensatz durch die Hinwendung zur "Sozialen Marktwirtschaft" in den 60er Jahren aufgehoben. Die Problematik ist also nicht neu, die Politik und ihre Berater versuchen und versprechen seit Jahrzehnten Lösungen gegen die ständig steigende Massenarbeitslosigkeit, bisher aber ohne Erfolg. Zudem wird diese Zielsetzung immer wieder bei vorüber gehenden und kurzzeitigen Aufschwüngen gern wieder vergessen oder hintenan gestellt. Deutschland gerät jetzt dadurch immer mehr ins Hintertreffen und allmählich in eine kritische Phase, die langfristig existenzschädigend sein kann und sogar die Soziale Marktwirtschaft als funktionierendes System gefährdet erscheinen läßt. Dagegen hilft auch eine konjunkturbedingte Erholung der Weltwirtschaft recht wenig. Erstmalig verlagerte Arbeitsplätze (Beispiel: Textilindustrie) sind zumeist auf Dauer verloren. In Zukunft werden wir uns daran messen müssen, wie effizient und vorbildlich unser Leistungsanteil (Produktion und Dienstleistung!) an der Werte schaffenden Weltwirtschaft ist. Nur dadurch können wir als Land für die leistugsstärksten Unternehmen und Bürger interessant bleiben und mit Ihnen gemeinsam unseren Wohlstand ausbauen. Nur die Realwirtschaft schafft nachhaltigen Wohlstand. Wenn wir deren Leistungsträger verjagen oder zum Nichtstun animieren, kann sich bei uns auch nicht mehr der Fortschritt in Wohlstand verwandeln. Dabei kann es keine Lösung für den EU-Motor Deutschland sein, durch Reglementierungen seinen Arbeitsmarkt ausgerechnet von anderen Ländern, vielleicht sogar EU-Ländern, abschotten zu müssen. Das wäre ein trauriges Eingeständnis von Hilfslosigkeit. Der Lösungsbedarf nach weltwirtschaftlich konformen Lösungen ist daher dringend, wenn Deutschland nicht zu einem Sanierungsfall werden soll.
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